Lauterbach: „Drei-Klassen-Medizin droht in Deutschland“ – SPD-Gesundheitsexperte warnt vor amerikanischen Verhältnissen

Gesundheit

MdL Dr. Matthias Krell (links) begrüßte Karl Lauterbach zur Diskussion über das "kranke Gesundheitssystem".

„Wir brauchen Reformen im Gesundheitssystem, die uns zusammenbringen statt die Gesellschaft zu spalten!“ Dies war eine der Kernaussagen des Gesundheitsexperten der SPD, Prof. Dr. Dr. Karl W. Lauterbach, der auf Einladung des SPD-Kreisverbandes Altenkirchen zu einem Vortrag über „das kranke Gesundheitssystem“ ins DRK Krankenhaus nach Kirchen gekommen war.

MdL Dr. Matthias Krell begrüßte auch im Namen der sich in „Babypause“ befindenden Bundestagsabgeordneten Sabine Bätzing-Lichtenthäler die zahlreichen Besucher der Veranstaltung, darunter sein Landtagskollege Thorsten Wehner, der Obmann der Kreisärzteschaft, Dr. Wolfram Johannes sowie Bernhard Pohlmann, Kreisvorsitzender der Apothekerschaft. Ein besonderer Dank ging an den „Hausherrn“ Thorsten Wind vom DRK Krankenhaus, der die Räumlichkeiten in der Schule für Pflegeberufe zur Verfügung gestellt hatte.

Das Gesundheitssystem in der Bundesrepublik stehe angesichts einer immer älter werdenden Gesellschaft vor großen Herausforderungen, erklärte Karl Lauterbach. Zwar gebe es in den nächsten 20 Jahren keinen Mangel an Fachärzten, jedoch bereite die hausärztliche Versorgung auf dem Land mittelfristig erhebliche Probleme. Noch schlimmer sieht der Sprecher der Arbeitsgruppe Gesundheit der SPD-Bundestagsfraktion die Situation im Pflegebereich. Weil sich aufgrund der schlechten Bezahlung nicht genug junge Menschen für eine entsprechende Ausbildung interessierten, könne schon in 10 Jahren jede 2. Stelle in der Alten- und Krankenpflege nicht mehr besetzt werden, prophezeite Lauterbach.

Scharfe Kritik übte der Sozialdemokrat an der Gesundheitspolitik der schwarz-gelben Bundesregierung, die auf „amerikanische Verhältnisse in Deutschland“ hinauslaufe. Schon heute gebe es in den USA eine Drei-Klassen-Medizin, unterteilt in die ländliche Versorgung, die Versorgung der gesetzlich Versicherten in den Städten sowie die Versorgung von Privatpatienten, erklärte Lauterbach, der an der Harvard School of Public Health in Boston Gesundheitsökonomie und Epidemiologie studiert hat und ein Kenner des amerikanischen Gesundheitswesens ist. Dort sei die Solidarität unter den Versicherten gleich null. Die Gruppe der gesetzlich Versicherten werde stattdessen weiter gespalten durch die Möglichkeit des Abschlusses zahlreicher Zusatzversicherungen für Besserverdienende.

„Versöhnen statt spalten“ lautet deshalb auch Lauterbachs Forderung an eine solidarische Gesundheitspolitik. Einen Ausweg aus dem drohenden Dilemma sieht er in einer langfristigen Strategie für eine qualitativ hochwertige gesundheitliche Versorgung aller Bevölkerungsgruppen, ähnlich dem skandinavischen Modell. Es müsse darum gehen, wieder zu sozialdemokratischen Werten zurückzukehren und medizinische Leistung nicht nach der Höhe des Einkommens fest zu machen, sprach er den anwesenden Genossinnen und Genossen aus der Seele. Die Einführung einer Bürgerversicherung, eine bessere Vergütung der Hausärzte auf dem Land, höhere Löhne in den Pflegeberufen sowie eine stärkere Zulassung von Medizinstudenten nannte der SPD-Politiker als notwendige Änderungen im deutschen Gesundheitssystem und erhielt dafür von den Anwesenden viel Applaus.

 
 

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